BahnCard kündigen

Die BahnCard der Deutschen Bahn soll künftig zwingend an eine App gebunden werden. Das ist inakzeptabel und ich fordere alle, die ohne eine BahnCard nicht erhebliche finanzielle Nachteile erleiden, auf, diese zu kündigen. Dies ist beispielsweise bei der Web-Ausgabe der taz[1] mit einem empfehlenswerten Kommentar, dem ich mich anschließe[2], nachzulesen. Dazu stelle ich ein Musterschreiben bereit.

Schon die BahnCard an sich war stets ein Kompromiss aus Persönlichkeitsrecht und Ermäßigung: So war es beispielsweise für die BahnBonus-Punkte erforderlich, die Nummer der BahnCard beim Erwerb des Fahrausweises am Automaten anzugeben, sodass der Fahrgast nicht ausschließen konnte, dass der Erwerb des Fahrausweises mit seiner Identität in Verbindung steht. Beim tatsächlichen Stattfinden einer Fahrausweiskontrolle war dies sogar stets der Fall. Dennoch konnte ich diese Abwägung in fast allen Situationen akzeptieren und hielt die BahnCard für ein nützliches Angebot. Mit der Notwendigkeit, ein in Betrieb befindliches Smartphone mitzuführen, ist diese Abwägung spätestens zu verwerfen, und ich sehe eine Grenze überschritten. Mobilfunk ermöglicht es technisch, den Standort des Mobilfunkteilnehmers zu bestimmen, außerdem sind die für die DB-App in Frage kommenden Modelle (durch die integrierte Digitalkamera) nicht als dokumentensicher anzusehen. Aufgrund der enormen Komplexität eines Mobiltelefons gehe ich dabei stets vom Worst-Case aus, also dass die gesamte Software auf dem Endgerät darauf ausgelegt ist, mein Persönlichkeitsrecht zu gefährden. Das ist nicht als Paranoia zu verstehen, und ich weiß sehr wohl, dass dies unwahrscheinlich ist, aber ich halte diese Prämisse für erforderlich, um einen kritisch-skeptischen Umgang mit intransparenter Hochtechnologie zu etablieren. Von der breiten Bevölkerung kann nicht die Sachkenntnis verlangt werden, diese Überprüfung vorzunehmen, wenn selbst der IT-Forensik manche Arten von Schadsoftware lange Zeit verborgen blieben. Dass die Deutsche Bahn selbst die Absicht hat, das Persönlichkeitsrecht zu gefährden, glaube ich ebenso nicht, vielmehr ist es Ignoranz in Einheit mit Greenwashing (Betonung des Plastikabfalls und Implikation, dies sei der BahnCard intrinsisch; weder die seltenere Herausgabe der Karte, z.B. wie EC-Karten alle sechs Jahre, noch eine Druckfassung auf Papier, wird zur Diskussion gestellt) und dem unkritischen Willen, alles zu digitalisieren. (An dieser Stelle kann ich nicht auf den Hinweis verzichten, dass die BahnCard früher "digitaler" war als heute! Früher war sie nämlich eine Chipkarte, heute ist sie nur noch bedruckter Kunststoff)

Für alle, die nun ebenfalls die BahnCard kündigen möchten, habe ich ein Musterschreiben entworfen, das den Anspruch hat, nicht nur die Kündigung als solche zu erklären, sondern auch zu kommunizieren, warum man dies tut, um so Druck auf die DB auszuüben. Schon eine dem Online-Ticket ähnliche Druckfassung oder von mir aus die Speicherung, ob jemand eine BahnCard hat, und Prüfung aufgrund des (zum Glück noch nicht durch eine App ersetzten) Personalausweises wäre ja ein Kompromiss, den ich dulden könnte.

Hier also der Text:

Sehr geehrte Zuständige,

diversen Presseberichten habe ich entnommen, dass im Verlauf des Jahres 2024 die BahnCard ausschließlich "digital", und mit diesem in den Medien und der Öffentlichkeitsarbeit diffus genutzten Begriff ist regelmäßig der Einsatz proprietärer Software auf Mobilfunkgeräten gemeint, angeboten werde; das bisherige Angebot der physischen Karte entfiele.

Vor diesem Hintergrund erkläre ich folgendes:

Die ((Bezeichnung der Bahncard, die Sie haben, bspw. My BahnCard 50 oder BahnCard 100 First)) mit der Nummer ((16-stellige Nummer, wie auf Vorderseite angegeben)) kündige ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Sollte der Gültigkeitszeitraum sich mit der Notwendigkeit überschneiden, programmierbare Mobilfunksysteme (insb. marktübliche Smartphones) oder proprietäre Software einzusetzen bzw. erstere bei Reisen mitzuführen, verlange ich ferner die Sonderkündigung für den relevanten Zeitraum.

Da ich grundsätzlich sehr gerne die BahnCard nutzte, freue ich mich auf eventuelle Stellungnahmen oder dem Aufzeigen von mit dem Persönlichkeitsrecht vereinbaren Alternativen, falls es bspw. eine dem Online-Ticket ähnliche Druckfassung gibt. In diesem Fall stelle ich den Widerruf meiner Kündigung in Aussicht, verweise jedoch darauf, dass die Kündigung an sich als bindend und nicht von Ihrer Auslegung der Angemessenheit von Alternativen abhängig ist.

Ich erwarte eine schriftliche Bestätigung des Erhalts mit Angabe des letzten Gültigskeitstages und widerspreche der Beantwortung dieses Schreibens über E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen


((Vollständiger Name; zwischen den Zeilen handschriftliche Signatur empfohlen))

Übermittelt werden kann das ganze als Telefax unter 01805 121998 (0.14 EUR je angefangener Verbindungsminute aus dem Inland; Verbindungen aus dem Ausland können im Preis abweichen oder technisch unterbunden sein) oder als Postsendung an:

BahnCard Service
60643 Frankfurt

Haftungsausschluss: Ich habe diesen Entwurf in der Absicht verfasst, neben der wirksamen Kündigung auch zu gewährleisten, dass der Bahn der Kündigungsgrund demonstriert wird, um so zumindest indirekt auf die Unternehmenspolitik Einfluss zu nehmen. Dennoch übernehme ich keine Haftung für die tatsächliche Wirksamkeit. Insbesondere rate ich dazu:

Der Haftungsausschluss gilt auch bei Berücksichtigung der oben aufgeführten Hinweise.

Über Zuschriften, z.B. ob eine Bestätigung erfolgte, wie lange dies dauerte, und welche Alternativen ggf. von der DB vorgeschlagen wurden, freue ich mich natürlich!